Rote Ampel überfahren in Karlsruhe, B10, Kreuzung Keßlerstraße? Bußgeld bzw. Fahrverbot nicht gleich akzeptieren!

Wenn Sie ein Anhörungsschreiben oder einen Bußgeldbescheid wegen eines angeblichen Rotlichtverstoßes in Karlsruhe beim Verlassen der B 10 an der Keßlerstraße erhalten haben, sollten Sie weiterlesen. Es bestehen gute Chancen, sich gegen den Vorwurf zur Wehr zu setzen. In entsprechenden Schreiben der Stadt Karlsruhe heißt es üblicherweise:

Ihnen wird zur Last gelegt, am … um … Uhr Karlsruhe, B10 Keßlerstraße, linke + rechte Fahrspur, Ri. Kriegsstraße als Führer des PKW … folgende Ordnungswidrigkeit begangen zu haben: Sie missachteten das Rotlicht der Lichtzeichenanlage. [Die Rotphase dauerte bereits länger als 1 Sekunde an.]

Bei schon länger als einer Sekunde dauerndem Rotlicht verhängt die Stadt grundsätzlich eine Geldbuße von 200 EUR sowie ein einmonatiges Fahrverbot. Daraus ergeben sich außerdem zwei Punkte im Fahreignungsregister.

Allerdings wenden zahlreiche Betroffene in ihren Bußgeldverfahren ein, dass die dortige Ampel nicht rot geleuchtet habe oder nicht zu sehen gewesen sei. Natürlich ist diese Kreuzung auch dem zuständigen Amtsgericht Karlsruhe bestens bekannt. Auch die dortigen Richter gehen davon aus, dass die Ampel teilweise nicht gut zu erkennen ist. Anders ließe sich auch kaum erklären, dass dort Fahrzeuge beim Einfahren in die Kreuzung gemessen werden, wenn deren Ampel bereits 40 Sekunden rot zeigt.

Unsere Kanzlei hat bislang drei Bußgeldverfahren jeweils wegen des Vowurfs eines Rotlichtverstoßes an dieser Kreuzung bearbeitet. In allen drei Fällen konnten sich die Betroffenen den Vorwurf nicht erklären oder waren überzeugt, keine Ampel überfahren zu haben. Die Richter am Amtsgericht gingen davon aus, dass die Betroffenen die Ampelanlage fahrlässig übersehen hatten; bereits dies reichte für einen Verstoß und eine Verurteilung aus. Allerdings konnte in allen Fällen erreicht werden, dass die Folgen für die Betroffenen im Vergleich zum Bußgeldbescheid abgemildert wurden:

  • Beschluss vom 14.10.2016 im Verfahren 14 OWi 301 Js 15169/16 (Rotzeit 14,87 Sekunden): Das Gericht erklärte, bei einer Erhöhung der Geldbuße (üblicherweise Verdopplung auf 400 EUR, bei Studenten 300 EUR) vom Fahrverbot abzusehen. Da die Betroffene in diesem Zeitraum kein Auto benötigte, als Studentin aber nur ein geringes Einkommen hatte, konnte erreicht weden, dass das Gericht bei Beibehaltung des Fahrverbots auf eine Geldbuße von nur 100 EUR erkannte.
  • Beschluss vom 25.01.2017 im Verfahren 8 OWi 440 Js 45480/16 (Rotzeit 19,6 Sekunden): Es wurde vom Fahrverbot abgesehen und dennoch die Geldbuße von 200 EUR nicht erhöht.
  • Urteil vom 10.04.2017 im Verfahren 8 OWi 430 Js 2439/17 (nicht rechtskräftig; Rotzeit 7,36 Sekunden): Auch hier wurde vom Fahrverbot abgesehen und die Geldbuße von 200 EUR beibehalten. Da der Betroffene sich jedoch sicher war, dass die Ampel ausgeschaltet gewesen ist und auch Zeugen dies bestätigt hatten, wurde gegen das Urteil Rechtsmittel zum Oberlandesgericht Karlsruhe eingelegt.

Daher sollte, wenn Sie Post wegen eines Rotlichtverstoßes an dieser Stelle erhalten, durch einen Rechtsanwalt genau geprüft werden, ob der Vorwurf berechtigt ist. Selbst ein Übersehen der schon längere Zeit roten Ampel muss nicht unbedingt zu einem Fahrverbot oder einer hohen Geldbuße führen. Wenn jemandem die betreffende Stelle in Karlsruhe bekannt ist, freuen wir uns auch über Rückmeldungen.

Haben Sie einen Bußgeldbescheid erhalten?

Sie können sich gerne bei verkehrsrechtlichen Fragestellungen an uns wenden. Oft können das Bußgeld reduziert, die Punkteeintragung oder ein Fahrverbot vermieden werden.

Entstehende Kosten werden von einer Verkehrs-Rechtsschutzversicherung übernommen. Sollten Sie keine solche Versicherung haben, kann versucht werden, nachträglich eine Versicherung zu erlangen, auch wenn es bereits zu einem Verkehrsverstoß bzw. Bußgeldverfahren gekommen ist.

15 thoughts on “Rote Ampel überfahren in Karlsruhe, B10, Kreuzung Keßlerstraße? Bußgeld bzw. Fahrverbot nicht gleich akzeptieren!”

  1. Ich war Beifahrer und dem Fahrer wurde vorgeworfen ,er habe die Ampel bei einer Rotzeit von 15 sec überfahren. Ich und auch der Fahrer kann sich diesen Vorfall nicht erklären, wobei ich mir auch sicher bin ,dass auf der rechten Spur neben uns auch ein Auto gefahren ist. Der Fahrer hat nun jedoch schon die ‚Tat gestanden“ ,da er sich sicher war ,Geräte wie Blitzer machen selten Fehler. Nun sind wir -leider jetzt erst – auf diesen Artikel gestoßen und man kann tatsächlich mehrere Artikel zu auftretenden Fehlern der Blitzerampel an dieser Kreuzung im Internet finden. Kann man nun noch etwas ändern ? Können die Punkte wieder gestrichen und die 200€ zurück an den Fahrer gegeben werden ? Die ein – monatige Fahrverbotstrafe hat der Fahrer seit einem Tag abgeschlossen.

    1. Bei einem solchen Bußgeldbescheid ist prinzipiell ein Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens denkbar, wenn neue Beweismittel (z. B. eine Zeugenaussage) vorgebracht werden können, welche den Vorwurf entkräften. Wegen der Einzelheiten werden wir uns mit Ihnen in Verbindung setzen.

  2. Ich habe am Samstag einen Bußgeldbescheid mit Fahrverbot erhalten
    Kann mich an ein rot der Ampel überhaupt nicht erinnern
    Würde nioemals durch eine rote Ampel fahren
    Fahre selbst bei orange durch keine Ampel

  3. Bin vor 2 Stunden genau an dieser Stelle geblitzt worden und auch ich habe das Rot der Ampel nicht bemerkt und zudem war die Stadt noch mit Baumschneidearbeiten genau neben dem Amoelbereich tätig.Bin von Berufs wegen auf meinen Führerschein angewiesen:( Habe ich eine Chance ?

  4. Auch mir wird vorgeworfen, am 17.02.2019 um 14:17 an dieser Ampel das Rotlicht missachtet zu haben. Ich habe die rote Ampel definitiv nicht gesehen, wurde zudem durch die Sonne geblendet und hatte die Sonnenblende ganz heruntergeklappt. Da es offensichtlich sehr häufig vorkommt,dass diese Ampel übersehen wird,frage ich mich, ob erst ein Unfall passieren muss, damit die Ampelanlage besser sichtbar gemacht wird. Ich möchte den drohenden Bußgeldbescheid nicht ohne weiteres akzeptieren.

  5. Habe heute auch ein schrieben bekommen das ich genau an der Stelle am 10.02.2019 um 03:29 Uhr geblitzt worden war. Leider kann ich mir es auch nicht erklären ob ich die Ampel einfach übersah oder ob sie aus war. Von einer Strafe steht noch nichts genaues dabei

  6. Hallo, ich habe eben ein Bescheid bekommen. Die Rotlichtphase sei länger als eine Sekunde gewesen. Ich habe die Ampel erst bemerkt Bzw. registriert als ich den Blitzer gesehen habe. Ich bin Ortsfremd und habe mich orientiert wo ich genau lang fahren muss. Die Ampel habe ich nicht gesehen. Ich bin alleinerziehende Mama und auf mein Auto angewiesen. Ein Fahrverbot wäre wirklich schlimm.

  7. Hallo. Da dieser Blog mich dazu ermutigt hat, Rechtsmittel einzulegen und mein Einspruch erfolgreich war, möchte ich als Dankeschön meinen Beitrag dazu leisten.
    Im November 2018 wurde ich ebenfalls an dieser Ampel nach einer Rotlichtphase von ca. 6 Sekunden geblitzt. Die Umstände waren wie hier bereits beschrieben: Ortsfremd, Dunkelheit, Regen. Ich habe eine rote Ampel gesehen und bin wie gewöhnlich vom Gaspedal und langsam auf sie zugerollt. Leider war es die falsche – nämlich die 70 oder 80 Meter dahinterliegende mit vielen Verkehrsteilnehmern. Auf die eigentlich überfahrene Ampel – ohne andere Verkehrsteilnehmer, ich war also völlig alleine beim Überfahren – wurde ich überraschend erst durch den Blitzer aufmerksam gemacht.
    Mittlerweile ist das Urteil rechtskräftig. Es wurde vom Fahrverbot abgesehen und dennoch die Geldbuße von 200 EUR nicht erhöht. Und es ist auch richtig, dass beim AG diese Ampel sehr wohl bekannt ist und eine zweifelhaften Ruf genießt, was man bei der Verhandlung unmissverständlich heraushören konnte.
    Hinzufügen möchte ich, dass ich seit über 40 Jahren einen Führerschein besitze und bis zu diesem Vorfall eine „reine Weste“ hatte.

  8. Guten abend, bei mir ist es dieselbe Geschichte wie bei den Vorgängern. Ich wurde geblitzt an dieser Stelle und habe keine Ampel gesehen…
    Herzliche Grüße,

    Svenja Hartwig

  9. Guten Tag,

    ich habe auch ein Bescheid bekommen. Die Rotlichtphase sei länger als eine Sekunde gewesen (4 sec),davor gelb 3 sec lang, dies geschah am 19.07.2019 um 18:00. Ich bin doch nicht dumm oder blind nicht zu halten. Ich muss jetzt mit 200 euro + etwa 30 Euro Bearbeitungsgebühr + 1 Monat Fahrverbot rechnen.

    Ich fahre Auto seit 13 Jahren, nur 1 x Straffzettel (wegen Parken, ich habe „2“ min länger geparkt), 1x Rot Ampel (10 Euro an der gleiche Stelle Keßlerstrasse vor 2,5 Monaten) und jetzt das. Ich habe keine Ahnung was ich dagegen tun kann, „…ich kann beweisen dass ich nicht blind bin, aber nicht dass d Ampel mich ver.. hat. Vermeidet einfach die Strasse oder wechselt die Stadt, ich hoffe mir gelingt es bald.
    Schöne und sichere Fahrt wünsche ich euch 😀
    Viele Grüße,

  10. Bei mir ist es auch wie bei den Vorgängern. Ich habe einen Anhörungsbogen bekommen. Ich habe die Ampel nicht gesehen, sondern erst den Blitzer bemerkt. Bei der eigentlichen Ampel ca. 80 m später, die vor der Kreuzung Keßler – Kriegsstraße steht, habe ich angehalten. In Karlruhe bin ich ortsfremd. Man rechnet auch 80 m vor der Kreuzung nicht mit einer Ampel.

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